Berufsanfängerin (27)
„Alles wird gut und wehe, wenn nicht“
Annika ist vor kurzen von der Insel Juist nach Hamburg gezogen und mit ihrem Job in der Lokalredaktion des HansaKuriers ihrem Traum eine bedeutende Journalistin zu werden näher gekommen. Diesen Traum verfolgt sie, seit sie das Standardwerk für Journalisten von Carlo Sommer gelesen hat. So wurde Carlo Teil ihres Traumes, den sie zum greifen nahe meint, als
sie zusätzlich in die Nachbarwohnung von Carlo zieht. Doch leider macht die Realität alles viel komplizierter.
Auf Juist führte sie ein beschauliches, unkompliziertes Leben. Zwar ist Juist alles andere als verschlafen und weltfremd, doch die kleine Gemeinde zwingt zu einfachen, pragmatischen Lösungen und einem liebevollen und offenen Miteinander.
Diese Lebenseinstellung bringt Annika mit nach Hamburg und in die Redaktion. Sie ist davon überzeugt, dass was für Juist gilt, auch in Hamburg funktioniert. Eine Einstellung, die ihre Kollegen nicht sofort nachvollziehen können. Insbesondere Carlo findet Annika naiv, denn das Leben ist anders. Es würde ihn nicht weiter interessieren, wenn Annika mit ihrer spontanen Art sich nicht in alles einmischen würde, sich darin verstricken würde und damit viel Chaos anrichten würde. Dabei will die enthusiastische Annika nur nicht tatenlos zusehen, wenn die Welt sich mal wieder in die falsche Richtung dreht. Aber wie überzeugt man die Welt davon, dass man es besser weiß? Trotz vieler Unsicherheiten, die Annika mit sich, ihrem Job und den Kollegen noch hat, lässt sie sich nicht beirren, denn sie ist überzeugt, dass sie richtig liegt. Im Gegenteil, was für eine Chance für einen Journalisten: Wir können schreibend dazu beitragen, die Welt zu ändern. Und für Annika beginnt die Welt bei Carlo. Denn instinktiv spürt Annika, dass Carlo aus dem selben Idealismus einmal Journalist wurde. Warum aber hat Carlo sich von diesem Idealismus entfernt und warum lässt er sich partout nicht von ihr wieder dahin zurück führen?
Da muss doch was zu machen sein...
Die Beharrlichkeit, die sie Carlo entgegenbringt, hat sie aber nicht für alle ihrer Kollegen:
Vanessas Arroganz und herablassende Art begegnet sie mit Schlagfertigkeit und intelligenten Humor. In Annikas Augen kommt Vanessa von einem anderen Stern. Ganz im Gegensatz zu Fritz, dessen einfache Herkunft und dessen Familienprobleme ihr nur zu gut vertraut sind. Beide wissen, wie wichtig ein funktionierendes soziales Umfeld ist, und beide sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Annika versucht alle Menschen gleich zu behandeln. Daher stört es sie auch, dass Kai sich für wichtiger hält, als er ist. Sie verzeiht ihm dieses Schwäche aber gerne, da Kai ein umgänglicher Mensch ist. Kais ständiger Versuch sie zum Sex zu überreden, betrachtet sie als Spiel, dass sie regelmäßig mit „Nein“ beantwortet. Dennoch schmeichelt es ihr als Frau.
Bis auf Vanessa schätzen alle Annikas offene, warme und einladende Art, die sie auch nach Dienstschluss behält. Ihre Wohnungstür ist immer für alle offen.
Eine besondere Bindung spürt Annika zu Che, den sie im Gegensatz zu all ihren Kollegen sehr ernst nimmt. Auch wenn sie seine Werte nicht teilt, bewundert sie seinen ungebrochenen Idealismus und seine Aufrichtigkeit. Für sie ist Che eine Art Weiser, dessen Ratschlag man gerne annimmt, aber nicht unbedingt befolgt. Che berät Annika nur zu gerne, denn so ist ihre Wohnung immer für ihn offen - und ihr stets gut gefüllter Kühlschrank natürlich auch….
|