Carlo Stelling
Redaktionsleiter und Vater (43)

"Nichts ist so schlimm, dass es nicht noch viel schlimmer werden könnte.."

Carlo war ein Vorzeige-Journalist. Henry-Nannen-Schule, links-liberales politisches Engagement, Autor eines politischen Leitfadens und Familien-
vater von 2 Kindern. Carlo hatte als Journalist alle Möglichkeiten und ist damals mit ähnlich hohen Zielen angetreten wie Annika. Doch im Rückblick muss er sich eingestehen, dass die Welt durch seine Arbeit kein bisschen besser geworden ist. Wenn er wenigstens den einen oder anderen Pulitzer- oder Egon-Erwin-Kisch-Preis gewonnen hätte... So aber wurde das Feuer, das in Carlo brannte immer kleiner und kleiner, und wich einem zornigen Zynismus – heute Carlos hervorstechendste Eigenschaft.

Da scheinbar keiner die Wahrheit gerne hört, behält Carlo sie mittlerweile für sich und pflegt das Image des einsamen Wolfes, wie sein großes Vor-
bild Hemingway.

Trotz seiner Vergangenheit ließ er sich vor einiger Zeit in die Lokalre-
daktion versetzen. Hier kann er sein Umfeld formen, es ist die sichere Nische - seine kleine Welt - die ihn vor erneuten Enttäuschungen bewahrt. Und dass das Leben eine Ansammlung von Enttäuschungen ist, kann Carlo unter Eid bezeugen. Viel bewegen kann er hier natürlich nicht mehr – aber diesen Traum hat er ohnehin tief in seinem Inneren vergraben.

Carlo macht es zu seinem Prinzip, Annika zu zeigen, dass sie falsch liegt und als Inselkind sowieso nichts von der Welt versteht. Auch auf die Gefahr hin, dass er über sein Ziel hinausschießt. Denn er weiß beispiels-
weise genau, dass Annika mit ihrer offenen Art den Zugang zu seinen Kindern hat, um den er sich so krampfhaft bemüht.

Der Umgang mit Annika stellt Carlo vor bedeutend mehr Herausforder-
ungen als der Umgang mit seinen anderen Redakteuren. Zwar geht Vanessa mit ihrem hysterischen Konsumwahn mächtig auf den Nerv, aber er hat sich mit ihrer Art arrangiert.

Denn in seiner fatalistischen Art, ist ihm Vanessa alle Mal lieber als das Risiko einzugehen, dass sie durch eine noch größere Katastrophe ersetzt wird. Kai schätzt er auf Grund seiner fachlichen Kompetenz. Als Mann sieht er in ihm trotz seines perfektes Äußeren und seine joviale Art keine Konkurrenz, denn in Carlos Weltbild müssen Männer Ecken und Kanten haben. In Fritz hat er einen Klasse Sekretär, da verzeiht er gerne, dass er keine scharfe Braut ist.

Der einzige echte Freund, den Carlo hat, ist Che, bei dem er ursprünglich sein Handwerk gelernt hat. Dass Che eigentlich eine gescheiterte Existenz ist, weckt seinen Beschützer-Instinkt und er steht für ihn immer ein. So schreibt er seit Jahren für Che die Artikel, wenn der mal wieder nur fünf, statt fünfzig Zeilen zuwege gebracht hat. Che weiß, dass Carlo ihm Tag für Tag den Arsch rettet und ist ihm dafür dankbar. Thematisiert wird das aber nicht zwischen den beiden alten Weggefährten. Carlo weiß was er an Che hat. Den einzigen Mensch der ihn in seiner Zerrissenheit versteht.

Seine Chefin und Herausgeberin Jade kann er fachlich nicht ernst nehmen. Dennoch schätzt er sie sehr und respektiert ihre Autorität. Im Notfall, das weiß Carlo, kann sich die Redaktion auf die Loyalität der Chefin verlassen.

Carlo mag: Carlo mag nicht:
Chinesisches Essen Dart
Hemmingway Schwimmen
Whiskey Wehrdienst
Zigarren, Zigaretten Schiffe
Tee ....Menschen..?
Che
Musik hören
Klavierspielen
liest gern und viel
fühlt sich wohl in Jeans
und Hemd