Ernest
Sohn von Carlo (16)

"Die hysterische Zicke hat mein Fotohandy einfach auf den Boden geknallt. Dabei wollte ich in der Sauna bloß telefonieren.“

Ernest verdankt seinen Namen Carlos Bewunderung für Hemingway. Schon das würde für einen Teenager ausreichen, um gegen seinen Vater zu rebellieren. Darüber hinaus, möchte Carlo aber einfach nicht akzeptieren, dass sich Ernest erwachsen fühlt. Da hilft nur tricksen und darin in Ernest mittlerweile Meister. Klar, dass er da in der Trennung der Eltern nur Vorteile sieht: „Wenn Mama aus dem Haus ist, wird mich niemand mehr daran hindern, den Ölwechsel an meinem Mofa im Wohnzimmer zu machen.“

Auch wenn Ernest gut aussieht, hat er wenig Erfolg bei den Mädchen. Im Umgang mit dem anderen Geschlecht ist er, trotz der genetischen Vorgabe seines Vaters, sehr ungeübt. Mal probiert er es als obercooler Macho, mal als sensibler Juppie – immer spielt er irgendetwas vor. Doch im Gegensatz zu all seinen Altersgenossen, bleibt er am Ende immer noch Jungfrau.

Für Ernest ein ernstes Problem, denn zwei Dinge machen einen Jungen zum Mann: Der Führerschein und das erste Mal. So prahlt er um so stärker mit seinem Liebesleben, denn wie immer, wenn er etwas zu verbergen hat, macht er selbst vor den skrupellosesten Lügen keinen Halt.

Dem Jungen wohnt eine nicht zu unterschätzende kriminelle Energie inne. So kann es durchaus sein, dass Ernest sich das väterliche Auto leiht, um ohne Führerschein ein paar Runden zu drehen und dabei ein paar Beulen zu produzieren. Auch der Verkauf der väterlichen Plattensammlung oder die Plünderung seiner Whiskyvorräte ist im Bereich des Möglichen.

Ernest probiert alles aus auf der Suche nach Grenzen. Die treten ihm meist in Person von Carlo entgegen, dabei steht er sich selber am meisten im Weg. Annika scheint dies instinktiv zu merken. Gerade weil sie nicht Ernests Mutter ist, fällt es ihr leicht, ihn wie einen Erwachsenen zu behandeln. Und sie ist jung genug um zu wissen, mit welchen Problemen Ernest kämpft. Mit ihr kann er reden, ohne genau gesagt zu bekommen, wie die Welt funktioniert, denn das weiß Annika ja selber nicht. Ganz im Gegensatz zu Carlo, der Zwecks der besseren Kontrolle Ernest den Aushilfsjob in der Redaktion verschafft hat. Mit wenig Erfolg, denn Ernests steter Versuch, die Regeln zu brechen, führt zu viel Chaos in der Redaktion.

Wenn Ernest aber sowohl bei Annika als auch bei Carlo aneckt, dann ist da immer noch Che. Seit Kleinkindertagen ist Che immer so etwas wie ein Onkel gewesen. Und wie gute Onkel nun einmal sind, bestätigen sie einen unbewusst in dummen Gedanken und sind dann verschwunden, wenn es gilt die Scherben wieder aufzusammeln.

Es hat aber auch etwas Gutes in der Redaktion zu arbeiten. So entflieht er wenigstens zeitweise der Welt seiner Schwester Leonie. Denn eines steht für Ernest fest: Wären alle Frauen so wie Leonie, dann würde er definitiv schwul werden. Nur ein gemeinsames Ziel, wie Carlo zu umgehen, führt zu einem kurzen Waffenstillstand unter den beiden.

Vanessa ist da ein ganz anderer Typ Frau. Sie ist der Traum seiner feuchten Nächte. Vanessa ist das bewusst und sie hat kein Problem, damit zu spielen. Ernest merkt das leider nicht. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis er erkennt, dass man einer Frau hilflos ausgeliefert ist, wenn es um Sex geht. Fritz versucht ihn manchmal davor zu warnen, aber Fritz ist in Ernests Augen nur sein Sekretär - was dieser natürlich ganz anders sieht. Ähnlich verhält sich Ernest auch zu Jade. Warum sollte er vor einer älteren Frau mehr Respekt haben, nur weil sie die Herausgeberin ist. Deshalb ist sie doch noch kein besserer Mensch. Insgeheim wiegt er sich da in der Sicherheit der Sohn des Redaktionsleiters zu sein. Und für Jade ist Ernest so weit unter ihrem Niveau, dass sie erst gar nicht wahrnimmt, dass er in ihrer Zeitung arbeitet.

Der einzige, den Ernest auf Grund seiner Arbeit respektiert ist Kai. In Ernest Augen hat es Kai geschafft. Er sieht gut aus, hat regelmäßig Sex mit tollen Frauen, verdient mit seinem Hobby Geld und bekommt Freikarten zum Eisbären-Spiel. Perfekt! Das freut Kai natürlich, denn wenn er kein anderes Publikum findet, dass ihn anhimmelt, dann eben Ernest.